FORUM ST. PETER in Oldenburg
Gedanken zur Woche

18.2.2018

Was nicht nötig ist, macht das Leben schön

Bringt Frau oder Mann bei einem Besuch Blumen mit, dann schlägt einem oft entgegen: „Ach, das war aber nicht nötig!“ In der Tat: Blumen sind nicht nötig. Und doch: Erst das, was nicht nötig ist und „einfach so“ geschenkt wird, macht das Leben schön.

Das Nicht-Nötige ist das Allernotwendigste! Wer könnte sich Liebe verdienen? Wer könnte Geschenke mit Recht erwarten? Sehnsucht danach mag es wohl geben, aber in jedem ehrlichen Geschenk sollte nichts Berechnendes sein. Einfach aus Lust am Schenken wird geschenkt, einfach aus Lust zum Lieben wird geliebt. Wo das Berechnende „Was hab ich davon“ auftaucht, ist schon der Wurm drin.

Wer sich für Gott interessiert, um etwas zu kriegen, ist auf dem Holzweg. Wer Gott anruft, um Lohn und Sicherheit oder Trost und Lebenshilfe zu erlangen, macht den Gott der Liebe zu einer käuflichen Ware, zu einem Beruhigungsmittel.

 

 

 


Zu plädieren ist radikal für die Logik der Liebe - gerade im Glauben an Gott. Wenn ich dich nur liebe, weil ich etwas an dir mag und etwas von dir will, dann ist es gar keine Liebe! Nein, andersherum: Um deinetwillen liebe ich dich und freue mich an dir; einzig weil du du bist, habe ich Freude an dir. So soll es mit reifem Glauben sein! Aber welcher Weg bis dahin?

„Die Ros‘ ist ohn Warum, sie blühet, weil sie blühet. Sie acht’t nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.“ So hat Angelus Silesius gedichtet. Er meint: So absichtslos und zweckfrei wie die blühende Rose, die für sich spricht, ist Gott da. Er blüht und ist „einfach so“ gegenwärtig – und glauben heißt nichts anderes, als sich dieser Gottesrose zu freuen. Und: glauben heißt auch, aus solcher Gewissheit heraus -zweckfrei und absichtslos- einfach für Gott da sein. Wer Gott als Lebenskrücke braucht, wer Religion und Kirche als Versicherungsagentur missbraucht, hat vom lebendigen Glauben noch keine Ahnung.

Aus dem FORUM grüßt und wünscht eine GUTE Woche

Klaus Hagedorn