FORUM ST. PETER in Oldenburg
Gedanken zur Woche

20.4.2018

Liebe und Gewaltlosigkeit

„Was würde Jesus, käme er heute wieder, den Bürgern von Alabama sagen?“ – das stand als unausgesprochene Frage hinter seinen Predigten und Reden. Martin Luther King (1929-1968), der US-amerikanische Baptistenpfarrer und Bürgerrechtler, gebrauchte die religiöse Sprache sparsam. Seine nüchternen Handlungsanweisungen für den politischen Kampf, seine Appelle an Bürgersinn und Zivilcourage entpuppten sich oft genug als „wörtliche“ Übersetzung des Evangeliums in die gesellschaftliche Wirklichkeit.

„Es ist nicht falsch, über Straßen zu reden, in denen Milch und Honig fließt“ – so nahm er die Prediger einer bloß innerlichen Frömmigkeit mit ihren nostalgischen Bildern aus der Bibel aufs Korn. „Aber Gott hat uns befohlen, uns um die Slums hier unten zu sorgen und um seine Kinder, die nicht einmal drei ausreichende Mahlzeiten pro Tag erhalten. Es ist nicht falsch, über das neue Jerusalem zu reden, aber eines Tages muss ein Prediger Gottes über das neue New York, das neue Atlanta, das neue Los Angeles, das neue Philadelphia und das neue Memphis reden. Das ist unsere Aufgabe.“ Eine Kirche, die hinter ihren bunten Glasfenstern zu Rassismus und sozialem Unrecht schweigt, eine solche Kirche lasse Jesus im Stich.

 

 

 

M. L. King setzte mit allem auf Liebe und Gewaltlosigkeit. Am Ende des gewaltlosen Widerstandes ersehnte er nicht den Triumph der Farbigen und ihre Rache an den Weißen, sondern ein friedliches von Vernunft und Gerechtigkeit bestimmtes Zusammenleben aller Menschen. Gewaltloser Widerstand war für ihn die praktische Seite der Liebe. „Gewaltlosigkeit ist Macht“ – darauf beharrte er zeitlebens, „aber sie ist der richtige und gute Gebrauch der Macht“.

Unbewaffnete Liebe bedeutete für ihn jene radikale Veränderung, die sich nicht darauf beschränkt, Herren und Knechte einfach auszutauschen, sondern die die dahinter stehenden falschen Selbstverständlichkeiten in Frage stellt. Für ihn stand absolut in Frage, dass es das überhaupt geben darf, Rassismus und Apartheid, Herren und Knechte, die Zweiteilung der Gesellschaft in jene, die zu bestimmen und die anderen, die sich ausschließlich unterzuordnen haben.

Herzliche Einladung zum Katholikentag 2018 in Münster – vom 9. bis zum 13. Mai – mit dem Thema: „SUCHE FRIEDEN“, wo wir uns mit M. L. King und sechs anderen Gestalten der Gewaltfreiheit beschäftigen werden.

Klaus Hagedorn