FORUM ST. PETER in Oldenburg
Grundintentionen

Das FORUM - ein neues Pastoral-Projekt

Das FORUM St. Peter ist ein Projekt der City-Pastoral – es ist eingebunden in das Netz der Citykirchen und eines von 83 Pastoral-Projekten dieser Art bundesweit. Das FORUM arbeitet ergänzend zur Pfarreiseelsorge in Oldenburg.

Einzigartig in Oldenburg ist, dass ein Forumshaus und eine Forumskirche zusammengebunden werden: Es soll mit dem FORUM St. Peter entstehen: ein DialogForum und ein Geistliches Zentrum, ein Beratungshaus und Begegnungshaus. Hier baut sich weiterhin aus eine neue Form von Präsenz von Kirche in der Stadt. (vgl. Stiftungsurkunde FORUM St. Peter vom 24.04.2008)

Unter das Dach des FORUM St. Peter ziehen die Caritas mit ihren Beratungsdiensten, der Sozialdienst kath. Frauen –SkF-  sowie – in ökumenischer Zusammenarbeit - die Ehe-, Familien- und Lebensberatung - EFL.  Diese Entscheidung für unser Projekt ist auf allen Seiten gewachsen aus der Erkenntnis, dass es sinnvoll ist, die verschiedenen kirchlichen Institutionen und Dienste näher zusammen zu holen, die Kräfte zu bündeln und zu konzentrieren, um noch wirksamer für die Menschen da zu sein.

Wir wollen näher bei den Menschen und ihren Fragen sein; wir wollen deutlich da sein für Suchende und Fragende, für Menschen in Not und für Menschen am Rande, für Ruhebedürftige und Sinnsucher/innen, für Menschen, die nach Orientierung für ihr Leben suchen. Deshalb gibt es hier Seelsorge und geistliche Begleitung, Information und Beratung, Gespräch und Wegbegleitung, Dialog und Bildung – in ökumenischer Offenheit und Solidarität. Uns ist wichtig: Wir verstehen unsere pastorale Arbeit an unserem katholischen Standort nicht in Abgrenzung zu den evangelischen Kirchen der Stadt, sondern möchten in ökumenischer Kommunikation und Kooperation für die Menschen in der Stadt und im Umland da sein – und Gott zur Sprache bringen. (vgl. Urkunde zur Grundsteinlegung des neuen Forumsgebäudes am 9.3.2014)

Grundintentionen: offen, einladend, gastfreundschaftlich und unterstützend

Mit dem FORUM St. Peter sucht Kirche auf neue Art die Stadt. Fakten sind: etwa 40% der Einwohnerschaft Oldenburgs haben keinerlei strukturelle Verbindung mehr zu christlichen Kirchen; von den 11% Katholiken haben ca. 93% keine nähere Gemeindebindung mehr. Daran ist ablesbar: Stadt und Kirche sind einander fremd geworden. Das FORUM versucht, diese Fremde als Heimat zu begreifen.

Wir suchen deshalb nach Berührungs- und Kontaktflächen zu den Menschen. Wir wollen ihre Fragen kennenlernen, ernst nehmen und gemeinsam nach tragfähigen Antworten für unser Leben suchen – und darin Zeugnis geben von der Hoffnung, die uns beseelt. Und wir versuchen so zu leben und zu arbeiten, dass wir gefragt werden. Wir möchten ein in jeder Beziehung offenes und einladendes FORUM St. Peter gestalten, in der alle Menschen willkommen sind und erfahren dürfen: „Ich darf hier sein, so wie ich bin, mit all dem, was ich mitbringe.“ Dies tun wir, weil wir überzeugt sind, dass unser Gott ein vitales Interesse an jedem Menschen hat und ein volles Leben für jeden Menschen will  – ein „Leben in Fülle“, von dem unsere Ur-Kunde (!) spricht.  Die zu uns Findenden wollen wir nicht als „Kunden“ oder „Klienten“ ansprechen, sondern als Menschen, die etwas Kostbares mitbringen: nämlich sich selbst. Wir wollen die Kultur des Umgangs mit den Fremden und Fernstehenden neu lernen als ein Stück Lebenskunst im Alltag.

Die Institutionen unter dem Dach des Forums haben intensive Kontakte zu Menschen in schwierigen Lebenssituationen - unabhängig davon, ob sie bisher eine Nähe zu Glaube oder Kirche haben. Hier können neue Berührungsflächen entstehen und weiterführende Kontakte und zwar einfach dadurch, dass diese Menschen in diesem Haus zukünftig noch vieles andere entdecken können. Die bisherige Erfahrung zeigt schon jetzt: für viele Menschen wird Kirche ein neuer bzw. ein erstmaliger Anknüpfungspunkt.

Und wir Seelsorger im FORUM gehen einen weiteren Schritt. Wir gestalten eine die Menschen aufsuchende Pastoral. Wir machen uns ansprechbar und sind präsent in der Stadt – mit unserem Schirm-Stand in der Fußgängerzone und anderen Orten sowie in vielfältigen Kooperationen mit kirchlichen und nichtkirchlichen Gruppierungen – zum Wohle der Menschen in der Stadt. Das neue Forumsgebäude und sein entsprechend gestalteter Foyer-Bereich werden hier verstärkend und bereichernd wirken.

Gasthaus, Rastplatz, Netzwerk, Werkstatt

Vier Begriffe können gut umschreiben, was das neue Forumshaus sein will:

Ein „Gasthaus“ für Menschen in schwierigen Lebenssituationen wollen wir sein – zusammen mit den im Haus befindlichen Institutionen. Unterstützung, konkrete Hilfestellung und Beratung wird gegeben, so gut es möglich ist; das heißt, Menschen werden hier begleitet, ihren Erfahrungen standzuhalten und diese in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Wir möchten Vertrauen in das Leben stärken und den aufrechten Gang stärken und in der Erfahrung begleiten, dass das Leben oft mehr Fragen als Antworten kennt. Alles, was das Leben an Anfragen stellt, darf seinen Platz haben und hat seine Berechtigung.

Einen „Rastplatz auf Zeit“ bieten wir an.  Das heißt z.B. einen Haltepunkt für den modernen „Nomaden“, der täglich die Erfahrung macht, dass Wohn-, Arbeits- und Lebensort für ihn nicht mehr identisch sind. Zu lernen ist dabei für uns die Kunst, neu Ankommende gerne aufzunehmen und Weitergehende dankbar zu verabschieden.  Dazu gehört auch das Projekt „Stille in Oldenburg“, das wir in den Blick nehmen wollen: das bewusste und gezielte Schweigen, den Weg der Kontemplation im Alltag, die Stille einzuüben – eine vergessene Lebenskunst. Und: Geistliche Begleitung als Ermutigung auf der Suche nach dem eigenen Weg.

Das FORUM versteht sich drittens als „Netzwerk und Netzwerker“. Im Geist des Evangeliums suchen wir den Dialog mit Gesellschaft, Kultur, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft – und mischen uns auf unsere Art ein in das Leben in der Stadt. Wir suchen gezielt die Kooperation mit kirchlichen und nichtkirchlichen Gruppierungen – mit Blick auf ein gemeinsames Ringen um die Grundlagen einer Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit. (Zu nennen ist z.B. die Klima-Allianz Oldenburg, in der wir aktiv mitmachen, oder das Projekt KOMM: Kirchen in Oldenburg machen mobil, um die Armen der Stadt mehr in den Blick zu rücken) Wir wünschen auch den Dialog mit Menschen der Kulturszene und mit Menschen anderer Kulturen und Religionen.

Und viertens: Das FORUM will eine „Werkstatt“ sein, in der gemeinsam gearbeitet wird für ein gutes Leben in der Stadt, für eine gerechtere und friedvollere Stadt und Welt und für die bleibende Bewohnbarkeit unserer Erde. Hier werden wir in Zukunft mit den verschiedenen Institutionen noch weitere Berührungspunkte entwickeln.

Den Glauben vorschlagen

In all dem halten wir - durch Tat und Wort - den Menschen in ökumenischer Offenheit eine Botschaft hin, ohne diese aufzudrängen. Wir schlagen den nach Orientierung Suchenden und Fragenden den christlichen Glauben vor. Wir suchen dabei nach einer Sprache, die viel mehr ist als bloße Aktualisierung und die das Herz der Menschen erreichen will. Wir tun dies in einer von unserer Kirche mitgetragenen Offenheit, die sich in Frage stellen lässt und den Austausch sucht. Wir verantworten den Glauben vor der Vernunft und in den „Zeichen der Zeit“.

Auf diese Art wollen wir einlösen, was das Zweite Vatikanische Konzil vor 50 Jahren in seiner Pastoralkonstitution Gaudium et spes (1) programmatisch formulierte: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen Widerhall fände.“

Klaus Hagedorn
16. Juli 2012

Satzung der Stiftung St. Peter Oldenburg, Stand 29.09.2016 (PDF-Download)

URKUNDE über die Errichtung der Stiftung Forum St. Peter Oldenburg - Stiftungsgeschäft - vom 24.04.2008 (PDF-Download)

URKUNDE der Grundsteinlegung des Neubaus Forum St. Peter am 09.03.2014